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"Die Presse",
Schimanek verbietet 6-Tage-Spiel Nitsch darf nur noch privat feiern
Keine Genehmigung hat Nitsch für sein Orgien-Mysterien-Theater.
Nun wurde die Veranstaltung geschlossen - und wird als privates
Spektakel weitergeführt.
WIEN. FP-Landesgeschäftsführer Hans Jörg Schimanek hat Hermann
Nitschs 6-Tage-Spiel genau beobachtet. Erst fragte er als für
Wasserrecht zuständiger Landesrat beim Gänserndorfer
Bezirkshauptmann nach, ob denn das Fassungsvermögen der Senkgruben
und die Anzahl der Waschgelegenheiten auf Schloß Prinzendorf allen
Auflagen entsprächen. Sie entsprachen. Dann erkannte Schimanek, der
auch für Veranstaltungen zuständig ist, daß Nitsch für
seine Aktion um keine Genehmigung als öffentliche Veranstaltung angesucht hatte -
da lief das Spektakel freilich schon drei Tage lang. Donnerstag
wurde das Orgien-Mysterien-Theater (OMT) aufgrund der fehlenden
Anmeldung offiziell geschlossen. Nachdem er am Mittwoch Werbung für
das Spiel im Internet und in den ORF-Nachrichten gesehen habe,
"wurden mir die letzten Beweise geliefert", daß es sich nicht - wie
von Nitsch immer behauptet - um eine private Veranstaltung handelt,
so Schimanek zur "Presse". Noch Mittwochabend gab er die Weisung,
das OMT "sofort behördlich zu untersagen". Reichlich spät,
kritisierten SPÖ und ÖVP. Donnerstag, 12 Uhr, trafen Schimanek, der
zuständige Bezirkshauptmann und der Anwalt des "Vereins zur
Förderung des Orgien Mysterien Theaters" zusammen. Man einigte sich
darauf, das Spektakel offiziell zu beenden, um es sogleich als
Privatveranstaltung weiterzuführen. Die Werbung wurde eingestellt.
Der Künstler lud daraufhin in einer Erklärung alle "meine
Freunde" und die ihm nahestehenden Personen auf, am Spiel
teilzunehmen - und zwar gratis. Denn: Geld darf Nitsch für das
Theater keines mehr verlangen. "Das Spektakel wird aber wie geplant
weitergeführt", hieß es in Prinzendorf.
Bisher hatte man im Schloß im Schnitt 350 Besucher. Jene, die
sich nicht zum engeren Freundeskreis Nitschs zählen konnten, mußten
erstens dem Verein beitreten und zweitens ihren Obolus entrichten:
3000 Schilling für einen Orgien-Tag, 6900 Schilling für alle sechs
Tage - Kunst, Getränke und eine üppige Verpflegung inklusive. "Es
ist ja nicht verboten, daß ein Verein für bestimmte Leistungen einen
Kostenbeitrag einhebt. Das ist wie wenn man mit alten Freunden einen
Ausflug macht - da zahlt auch jeder", erklärt der Anwalt des
Vereins, Daniel Charim, seine Sicht der Dinge. Deshalb sei nicht mit
Rückforderungen - weder seitens der Besucher noch seitens der
Behörden - zu rechnen.
Schimanek gab sich mit dem Ergebnis des gestrigen Tages nicht
zufrieden: "Ich habe jetzt auch Anzeige erstattet, weil dort gegen
humanmedizinische und veterinärmedizinische Bestimmungen sowie gegen
den Jugendschutz verstoßen wird: Auf der Veranstaltung sind auch
Kinder, faules Fleisch liegt herum und es stinkt fürchterlich."
Eines will er jedoch betonen: "Das hat nichts mit der Kunst des
Herrn Nitsch zu tun - die ist mir wurscht."
"Die Presse",
Radikal sensibilisiert
Hermann Nitschs "Sechstagespiel" ist eine auch heute noch gültige
Form des Gesamtkunstwerks. ...
In einem Durchlauf durch Orte, Zeiten, Kulturen, Religionen
durchforstet er archaische Rituale, volkstümliche, außereuropäische,
heidnische Bräuche ebenso wie die katholische Tradition und
Symbolik. Das ist ebenso sehr in einem theatralischen, musikalischen
wie bildnerischem Gesamtzusammenhang zu sehen. Wenn Kunst bei der
Sensibilisierung von Wahrnehmung, der Intensivierung realen Erlebens
ansetzt (und oft scheitert), erreicht Nitsch in seiner Radikalität
Sinne, Denken und Wissen aufs intensivste anzusprechen - und fordert
auch heute die Auseinandersetzung damit heraus.
(bis zum Sonnenaufgang des 9. August. Info: 02533/89380,
Internet: www.nitsch.org/ien/).
"Kurier",
Prinzendorf, der erste Tag: Das Mysterium fehlt
Zwölf Uhr Mittag in Prinzendorf. Die Sonne brennt auf den Festhof.
Gänse spazieren langsam über das idyllische Gelände. Hühner suchen
unter Tischen Schatten. Musikkapellen spielen. Die Klangkulisse, die
die überall verteilten Bläser, Trommler und Glockenspieler schaffen,
ist beeindruckend. Ruhig und offensichtlich gekonnt dirigiert Hermann
Nitsch seine Kultknechte.
Die weiß gekleideten Menschen sind mit dem Ausweiden von drei Tieren
beschäftigt. Ein an ein Kreuz gebundener Mann wird mit Blut
bearbeitet. Die Mitarbeiter erledigen ihre Arbeit ruhig, beseelt
scheinen sie aber nicht. Erstaunlich unbeteiligt wirken manche Gäste.
Vielleicht ist es der Hunger, der die Menschen dämpft, denn sobald
Gulaschduft den Fleischgeruch verdrängt, kommt etwas Leben auf.
Nach Theater sieht das Orgien-Mysterientheater des Hermann Nitsch
aus. Alle Zutaten, die man von einem Schauspiel erwartet, sind
vorhanden. Die Kulisse stimmt, der Ablauf funktioniert klaglos und
die Akteure beherrschen ihr Handwerk so recht und schlecht. Man
sieht, daß hier Laien agieren. Was fehlt, ist das Mysterium.
Zumindest in den ersten Stunden erschließt es sich nicht. ...
"Der Standard",
Nitschs "Sechs- Tage-Spiel" in Prinzendorf und live im Internet
Prinzendorf - Heute, pünktlich zu Sonnenaufgang um 4.45 Uhr wurde
Hermann Nitschs Lebenswerk Sechs- Tage-Spiel mit einem
Streichquartett in Prinzendorf eröffnet. Bis zum 9. August werden
über 300 Akteure unter der Spielleitung von Alfred Gulden Nitschs
Partitur zur Regung aller Sinne ausführen.
Wer nicht vor Ort beim Spiel ums "Daseinsglück" dabei sein kann,
dem wird das aktionistische Gesamtkunstwerk ins Haus geliefert.
Geruchlos freilich, doch zumindest live und kostenlos, kann jedermann
per world-wide- web (www:nitsch.org/ien) rund um die Uhr dabei sein,
wenn der Zeremonienmeister aus dem Weinviertel das Leben feiert.
Als Einstieg in die existentielle Materie sei neben einem Viertel
Wein Hermann Nitschs zweiter Versuch Zur Theorie des Orgien Mysterien
Theaters (Residenz Verlag, 1995) empfohlen, zum genauen Studium der
laufenden Ereignisse liegt in der Edition Freibord die 1595 Seiten
starke Partitur des Sechs-Tage- Spiels vor.
Das Wiener Museum moderner Kunst veranstaltet zum aktuellen Anlaß
von 4. 8. bis 9. 8. täglich um 17 Uhr Sonderführungen mit Dieter
Schrage zum Werk des umstrittenen Aktionisten. Die Galerie Krinzinger
bietet Editionen C & K - Präsentationen Historischer Editionen vom
Wiener Aktionismus der 60er und 70er Jahre, die Galerie Curtze zeigt
bis 22. August Fotos von Heinz Cibulka.
"Wiener Zeitung",
Heftige Proteste gegen Nitsch von seiten der Tierschützer
Weiter Aufregung um das 6-Tage-Spiel
... Das Medieninteresse am 6-Tage-Spiel, das vom 3. bis 9. August auf
Schloß Prinzendorf stattfindet, ist indessen groß: Mehr als 70
Journalisten aus aller Welt haben derzeit das
Akkreditierungsverfahren durchlaufen und sind als Berichterstatter
zur Veranstaltung zugelassen. Erwartet werden sowohl Vertreter der
Printmedien als auch diverser Radio- und Fernsehstationen. Bei der
Mehrzahl der akkreditierten Journalisten handle es sich um Kunst- und
Kulturredakteure aus Österreich, Deutschland, der Schweiz,
Großbritannien, Frankreich, Italien, Ungarn, Litauen und den USA.
Der erste Tag von Hermann Nitschs 6-Tage Spiel wird am 3. August
live im Internet übertragen. Unter der Adresse
"http://www.nitsch.org/ien" können sich Interessierte in der Zeit von
4.45 bis 22 Uhr ihr eigenes und "unzensuriertes" Bild über das Orgien
Mysterien Theater machen. Es ist dies das erste Mal, daß eine
ganztägige Theaterveranstaltung in Österreich live im Internet
ausgestrahlt wird. Für all jene, die den Live-Termin versäumen, wird
die Übertragung in den darauffolgenden Tagen als Aufzeichnung
ausgestrahlt.
"Kurier",
Waren Sie schon in Behandlung?
Chat im Internet mit Nitsch: Seichte Fragen und ein falscher Nitsch
Die "Arge Daten" rief zur Plauderstunde mit Hermann Nitsch ins Netz
und rund 50 Menschen kamen. Mit einem kurzen "Ich bin da" eröffnet
Hermann Nitsch das Gespräch. Sein Pressesprecher tippt die Botschaft
in den Computer. "juhu, Na, das ist aber toll, Wow, alles in
Großbuchstaben." Der Moderator versucht die Plauderer zu ernsthaften
Fragen zu bewegen. Erfolg ist ihm vorerst nicht beschieden. ...
Plötzlich wird der Techniker aktiv. Ein Hermann Nitsch hat sich
eingeklinkt. "Kunst ist, was mir gefällt" gibt er zum besten. Ein
paar schnelle Befehle und der falsche Nitsch ist aus der Leitung.
Noch zwei Mal versucht er es, dann gibt er auf. Er war aus
Österreich, wie die meisten, die mitmachen, sagt der Techniker. "Herr
Nitsch, waren Sie schon einmal in psychiatrischer Behandlung?" Auf
solche Fragen sollte man kurz antworten, rät der Moderator. Nitsch
folgt und sagt "nein". Eine Stunde ist vergangen. Ein enttäuschter
Hermann Nitsch resümiert: "Die Fragen, die gestellt wurden, waren von
seltener Seichtheit."
"profil",
"Ich liebe die Tiere sehr"
Aktionskünstler Hermann Nitsch über sein 6-Tage-Spiel, die Kritik
von Kirche und Tierschützern und die Zukunft seines Orgien-Mysterien-Theaters.
profil: Herr Nitsch, was schmerzt Sie eigentlich mehr, die
Qualifikation als Blasphemiker oder die Qualifikation als
Tiermörder?
Nitsch: Die als Tiermörder. Weil ich Tiere sehr liebe. Ich lebe
ja hier in Prinzendorf mit Tieren. Ich habe zwei Hunde, ich habe
Katzen, Pfauen, Gänse und ein Maultier. Ich kann nur wiederholen,
was ich seit dreißig Jahren betone: 99 Prozent aller Tiere, die ich
je für meine Aktionen verwendet habe, wurden im Schlachthaus oder
beim Fleischhauer gekauft. Sie wurden also, bevor ich sie benötigt
habe, für die Ernährung der Menschheit getötet. Dreimal nur habe ich
eine Schlachtung in die Aktion einbezogen, und auch da handelte es
sich um Tiere, die sowieso zur Schlachtung bestimmt waren, und
jedesmal wurden sie nach der Schlachtung verzehrt.
profil: Tierschützer sprechen in diesem Zusammenhang von einer
"Entwürdigung der Tiere zum Show-Objekt".
Nitsch: Das möchte ich strikt von mir weisen. Es geht nicht um
Entwürdigung, sondern um Wahrhaftigkeit: Ich möchte den Prozeß
zeigen, der dazu führt, daß wir Fleisch essen können. Ich bin kein
Vegetarier, ich bekenne mich dazu, daß ich Fleisch esse. Aber man
sollte dabei nicht verdrängen, daß dafür Tiere getötet werden
müssen.
profil: Wie erklären Sie sich denn die Heftigkeit der jüngsten
Anfeindungen, nicht nur von Tierschützern, sondern auch aus
kirchlichen Kreisen? Kardinal Schönborn und Diözesanbischof
Kapellari haben Ihnen in einer offiziellen Erklärung "einen
schwerwiegenden Angriff auf die Gottesverehrung und die
Menschenwürde" vorgeworfen.
Nitsch: Ich bin seit fünfzehn Jahren nicht mehr von der Kirche
attackiert worden. Ich habe sogar oft in Kirchen ausgestellt,
obschon ich kein praktizierender Christ bin und mich nie bei den
Katholiken eingeschlichen habe. Trotzdem schätzen viele Theologen
meine Arbeit, weil sie glauben, daß ich ihre Symbole wieder
versinnliche und den Menschen zum Bewußtsein bringe, was eigentlich
Fleisch und Blut ist. ...
DAS 6-TAGE-SPIEL UND SEINE GEGNER
Im Schloß Prinzendorf im Weinviertel probt Aktionskünstler
Hermann Nitsch sein 6-Tage-Spiel, das Tierschlachtungen,
Prozessionen, Musik, Essen und Trinken einschließt. Vorvergangene
Woche wurde Nitsch von Kardinal Christoph Schönborn und
Diözesanbischof Egon Kapellari scharf kritisiert. Gleichzeitig
bezichtigten ihn Tierschützer des Tiermordes und riefen zu einer
"Großdemonstration gegen die öffentlichen Schauschlachtungen zur
Volksbelustigung" auf. Vertreter des Vereins gegen Tierfabriken
(VgT) erstatteten Strafanzeige gegen Nitsch. Am 21. Juli um 16 Uhr
stellt sich der Künstler unter http://www.nitsch.org/ien im Internet
einer Diskussion.
"Der Standard",
Tierschützer: Strafanzeige gegen Nitsch
... Die Strafanzeige sei bei der Staatsanwaltschaft Korneuburg wegen
"Herabwürdigung religiöser Lehren", "Tierquälerei" und "Aufforderung
zu mit Strafe bedrohten Handlungen" eingebracht worden. Zudem habe
der Rechtsanwalt des Vereines, Stefan Traxler aus Mödling, die
Unterbindung der Aktion beantragt.
Im stark frequentierten Internet-Diskussionsforum Hermann Nitsch
führen schon seit Wochen Befürworter und Gegner heftige
Auseinandersetzungen zu den Themen Aktionismus und Tierschutz.
Am 21. Juli (ab 16 Uhr) wird sich Nitsch persönlich einem Chat
mit der Internet-Öffentlichkeit stellen: Auf der Web- Seite
http://www.nitsch.org/ien gibt er Auskunft - zum Beispiel darüber,
daß nur Stiere geschlachtet werden, die ohnedies für eine Schlachtung
vorgesehen sind, beziehungsweise, daß die Schlachtungen nur von
professionellen Schlächtern vorgenommen werden, also Tierquälerei
nicht das Anliegen des international renommierten Aktionskünstlers
ist. Wer Lust hat, kann dem kleinen Mann mit dem Rauschebart auch ein
e-mail schicken: hermann@nitsch.org.
"Der Standard",
Internet-Diskussion mit Nitsch
Nach heftigen Protesten von Tierschutzorganisationen und der
katholischen Kirche anläßlich seines geplanten
6-Tage-Spiels stellt sich der Aktionskünstler Hermann Nitsch am
Dienstag (21. Juli) ab 16.00 einer öffentlichen Internet-Diskussion.
(http://www.nitsch.org/ien)
"Wiener Zeitung",
Nitsch: Proteste von Tierschützern
Die Auseinandersetzungen um Hermann Nitsch und sein geplantes
"6-Tage-Spiel" reißen nicht ab. Gestern haben sich die
österreichische Sektion der Internationalen Liga für den Schutz von
Pferden (ILPH) und das Österreichische Komitee zum Schutz der
Pelztiere den massiven Protesten des Österreichischen
Tierschutzvereins und des "Vereins gegen Tierfabriken" angeschlossen.
Die ILPH spricht sich gegen die sogenannte "Blutorgie im Gutshof
Prinzendorf" aus. Sie wirft Nitsch die Schlachtung von drei
Stieren, neun Schweinen und Lämmern aus reinen Vermarktungs- und
Profitzwecken vor. Am 21. Juli stellt sich Hermann Nitsch ab 16 Uhr
persönlich im Internet: (http://www.nitsch.org/ien)
"Niederösterreichische Nachrichten",
Nitsch im Net
Er polarisiert die Österreicher wie kein zweiter
Künstler in diesem Land. Nun gibt's Hermann Nitsch (endlich?) auch
im Internet: Mit einer umfassenden Biographie und ausgewählten
Werken des Aktionskünstlers. Am schönsten ist aber das
Diskussionsforum, in dem per e-mail heftigst und unzensuriert zu
Hermann Nitsch Stellung genommen wird. "Krank" ist da noch der
harmloseste Vorwurf. http://www.nitsch.org/ien